Unerhörtes erhören!
Unerhörtes erhören!

Gruppentherapie

Viele Patienten denken bei Psychotherapie spontan eher an eine Einzeltherapie und hegen gegenüber dem Angebot einer Gruppentherapie zunächst ein Unbehagen. Dabei spricht vieles für eine Gruppentherapie. Es ist ein ökonomisches Therapieverfahren, was dazu beitragen kann, Wartezeiten deutlich zu verkürzen, da mehr Patienten pro Zeiteinheit behandelt werden können. Dennoch ist Gruppentherapie keinesfalls ein zweitklassiges Angebot. Studien haben ergeben, dass Gruppentherapie und Einzeltherapie sich hinsichtlich des Therapieerfolgs nicht unterschieden. Insbesondere verbreitet ist die (verständliche) Befürchtung, man erhalte in einer Gruppentherapie verglichen mit der Einzeltherapie nur einen Bruchteil der Zeit und therapeutischen Aufmerksamkeit. Die Gruppentherapie verfügt aber  über Besonderheiten, welche den therapeutischen Prozess eher zu intensivieren vermögen. Denn psychische Störungen entstehen und zeigen sich meist immer in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie aktualisieren sich zwangsläufig auch in einer Therapiegruppe, was eine große (gegenüber der Einzeltherapie gar zeitverkürzende) Chance ist. Dies wiederum weckt andere Ängste, nämlich von der Gruppe überfordert zu werden, insbesondere wenn jemand schon schlechte Erfahrungen in (meist außertherapeutischen) Gruppenzusammenhängen (Familie, Arbeit, Schule, Freizeit) gemacht hat. Dem steht entgegen, dass eine therapeutische Gruppe anders als alltägliche Gruppen von einem Gruppentherapeuten geleitet wird, dessen Aufgabe darin besteht, die Gruppenprozesse so zu begleiten, dass Herausforderung und Schutz in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Zudem kann das Erleben von Anteilnahme, Solidarität, ähnlichen Problemen und eigener Helferkompetenz in Bezug zu den anderen Gruppenteilnehmern eine therapeutische Wirkung entfalten, die so in der Einzeltherapie niemals möglich wäre.

 

Während die Durchführung der Einzeltherapien durch die Coronakrise wenig gelitten hat (weil etwa die Möglichkeit ihrer Durchführung durch Videosprechstunde erlaubt wurde), haben weder Gesundheitsministerium noch die Gremien der Selbstverwaltung (Gemeinsamer Bundesausschuss von Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung) die Durchführung von Gruppentherapien unter Coronabedingungen geschützt.

 

Die Durchführung von Gruppentherapien wurde zwar nicht verboten (immerhin), aber kann man bei derzeitigem Kenntnisstand verantworten, 10 Leute in einen Gruppenraum zu setzen? Wenn die Gruppenteilnehmer nicht schon die Anreise in öffentlichen Verkehrsmitteln fürchten und meiden, dann das Zusammensitzen in potenziell aerosolbelasteten Gruppenräumen. Die Durchführung von Gruppentherapien mithilfe von Videokonferenzen darf zwar als sogenannte Igelleistung für Selbstzahler  angeboten werden aber nicht zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden! Scheinbar großzügig wurde die unbürokratische Umwandlung von genehmigten Gruppentherapien in Einzeltherapie ermöglicht, aber das läuft auf einen Zusammenbruch der Gruppentherapien hinaus, die in Sonntagsreden ja als ein wichtiges auszubauendes Therapiesetting  gepriesen werden. 

Ganz offensichtlich erfassen die Verantwortlichen nicht, dass Gruppentherapie mehr ist als eine kostengünstige Ansammlung  von gleichzeitig durchgeführten Einzeltherapie. Sie verstehen nicht, dass das Ganze der Gruppe mehr ist als die Summe ihrer Teilnehmer, dass mit der Gruppe eine neue Qualität von Psychotherapie entstehen kann. 

Die Verweigerung Gruppentherapie per Video abrechnen zu dürfen, wird mit Datenschutz begründet. Dies ist nur auf den ersten Blick plausibel. Denn die Gruppenkonferenzen lassen sich bereits heute sicher peer-to-peer verschlüsseln. Und sie erzeugen nicht die problematischen Datensammlungen , welche nach Willen des Gesundheitsministeriums in den nächsten Jahren, für viele Instanzen abrufbar (Ärzte aller Fachgruppen, Apotheken, Krankenhäuser, Gesundheits-App-Entwickler, Forscher) auf einem zentralen Server gespeichert werden sollen, ohne dass ein Widerspruchsrecht für die Versicherten vorgesehen ist (wenn alle wachsam sind, kann dieses Gesetzesvorhaben von Gesundheitsminister Spahn vielleicht verhindert werden - wenn selbst die bislang datenschutzkritischen Grünen zeichnen sich durch eine unglaubliche Blauäugigkeit hinsichtlich dieser Planungen aus).

 

Wie gesagt, die Politik tut wenig für die Gruppentherapie. Deshalb können die Gruppen derzeit nur eingeschränkt stattfinden. In meiner Praxis derzeit pro Sitzung immer nur in halber Gruppenstärke, um zunächst die sonst geforderten 1,5 m Abstände zu gewährleisten. Um die Infektionsgefahr über Aerosole zu reduzieren tragen ich und alle TeilnehmerInnen Mund-Nasenschutzmasken (am besten ffp2 ohne Ventil). Bei Coronaverdacht im Umfeld und eigenen leichten Erkältungssymptomen bleiben die TN der Gruppensitzung fern. Es ist alles andere als schön, aber der dieser Notbetrieb funktioniert trotz alledem überraschend gut.

 

 



 

Hier finden Sie mich:

Dipl. Psych. Andreas Koch

Psychologischer  Psychotherapeut
Albestr. 34 HH
12159 Berlin-Friedenau

Telefon: +49 30 8591747

(Anfahrtsbeschreibung unter Seite "Kontakt")

Sprechzeiten

Für Terminvereinbarungen zu Erstgesprächen im Rahmen der  neugeschaffenen psychotherapeutischen Sprechstunden biete ich ab 1. April 2017 unter obiger Telefonnummer folgende telefonische Zeiten an, in denen ich persönlich erreichbar bin:

Montags:  20:00-20:25

Dienstags 18:00-18:50

Mittwochs-16:40-17:55

Donnerstags: 14:30-14:55

Freitags: 17:00-17:25

Außerhalb dieser Zeiten bin ich auch weiterhin über Anrufbeantworter erreichbar.

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